Schwebekörper-Durchflussmesser

-Berechnungsformeln für Schwebekörper Durchflussmesser-

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Dies ist eine Informationsseite über die Durchflussmessung mit Schwebekörper Durchflussmessern. Es werden meine langjährigen Erfahrungen aus dem Bereich der Mess-und Regeltechnik festgehalten. Ich übernehme keinerlei Haftung für fehlerhafte Angaben und würde mich über weitere Anregungen und Ergänzungswünsche freuen.

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Dipl.-Ing. Harald Peters

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Berechnung eines Schwebekörper Durchflussmessers

Ein Schwebekörper-Durchflussmesser (auch Rotameter genannt) ist ein mechanisches Messgerät zur Bestimmung des Volumenstroms von Gasen und Flüssigkeiten. Die Messung basiert auf dem Kräftegleichgewicht zwischen Strömungskraft, Gewichtskraft und Auftrieb.

Kräftegleichgewicht

Ein Schwebekörper-Durchflussmesser besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten:
  • Einem konisch geformten Rohr, das senkrecht montiert ist und dessen Querschnitt von unten nach oben zunimmt.
  • Einem Schwebekörper, der sich frei im Messrohr bewegen kann.
    Die Strömung des Mediums wirkt nach oben, während die Gewichtskraft den Schwebekörper nach unten zieht.
Prinzip eines Schwebekörper-Durchflussmessers mit wirkenden Kräften
Der Schwebekörper stellt sich im Messrohr auf einer festen Höhe ein, sobald sich ein stabiles Kräftegleichgewicht ergibt (er "schwebt").
Die nach oben gerichtete Strömungskraft FW wird dabei durch die nach unten wirkende Gewichtskraft FG reduziert um die Auftriebskraft FA ausgeglichen.

FW = FG - FA

Die Höhe des Schwebekörpers ist somit ein direktes Maß für den Durchfluss des Mediums. Mit steigendem Volumenstrom erhöht sich die Strömungskraft, wodurch der Schwebekörper weiter nach oben wandert.

Berechnung der einzelnen Kräfte:
  • Strömungskraft FW
    Die Strömungskraft FW, die den Schwebekörper nach oben drückt, hängt vom Durchfluss und den aerodynamischen Eigenschaften (Form) des Schwebekörpers ab. Sie wird mit der aus der Aerodynamik bekannten Formel berechnet.
    FW= 0,5 ⋅ ρR ⋅ v² ⋅ CW ⋅ A
    ρR: Dichte des Mediums im Ringsspalt zwischen Schwebekörper und Messrohr [kg/m³].
        Diese kann bei kompressiblen Medien (Gasen) von der normalen Mediumsdichte (ρM) abweichen
        Da ρR schwer zu errechnen ist, wird in der Praxis oft die normale Mediumsdichte (ρM) verwendet.
        Der Unterschied wird durch den empirisch ermittelten CW-Wert berücksichtigt.
    v: Strömungsgeschwindigkeit des Mediums im Ringspalt [m/s]
    CW: Widerstandsbeiwert (abhängig von Form und Oberflächenbeschaffenheit des Schwebekörpers),
        der Oberfläche des Messrohres und der Reynolds-Zahl [dimensionslos]
    A: Querschnittsfläche des Schwebekörpers (Projektionsfläche=größter Durchmesser) [m²]

  • Gewichtskraft des Schwebekörpers FG
    FG= ρS ⋅ VS ⋅ g
    ρS: Dichte des Schwebekörpers [kg/m³]
    VS: Volumen des Schwebekörpers [m³]
    g: Erdbeschleunigung 9,81 [m/s]

  • Auftrieb des Schwebekörpers FA
    FA= ρM ⋅ VS ⋅ g
    ρM: Dichte des Mediums [kg/m³]
    VS: Volumen des Schwebekörpers [m³]
    g: Erdbeschleunigung 9,81 [m/s]

  • Zusammenhang zwischen Ströungsgeschwindigkeit und Volumenstrom
    Die Strömungsgeschwindigkeit v steht beim Schwebekörper Durchflussmesser in direktem Zusammenhang mit dem Volumenstrom Q
    Q= v⋅AR
    v: Strömungsgeschwindigkeit des Mediums im Ringspalt [m/s]
    AR: Freie Querschnittsfläche zwischen Schwebekörper und Messrohr, an der Position des Schwebekörpers [m²].
    Das ist der Spalt durch den das Medium fließen kann.
    Diese Fläche ändert sich mit der Höhe des Schwebekörpers.
Zusammenfassung der einzelnen Kräfte:
Um den theoretischen Volumenstrom eines Schwebekörper Durchflussmessers im "Schwebezustand", also einer bestimmten Höhe im Messrohr zu bestimmen, werden die o.g. Formeln der einzeln Kräfte in die Grundgleichung eingesetzt.

FW = FG - FA

Man erhält somit:

0,5 ⋅ ρR ⋅ v² ⋅ CW ⋅ A = (ρS ⋅ VS ⋅ g) - (ρM ⋅ VS ⋅ g)


Ersetzt man noch v² durch die o.g. Formel für den Volumenstrom Q, dann erhält man nach Umstellung und Vereinfachung, die endgültige Formel zur Berechnung des Volumenstromes:
Bild Formel Schwebekörper Durchflussmesser
ρM: Dichte des Mediums [kg/m³]
ρR: Dichte des Mediums im Ringspalt [kg/m³]
ρS: Dichte des Schwebekörpers [kg/m³]
VS: Volumen des Schwebekörpers [m³]
g: Erdbeschleunigung 9,81 [m/s]
AR: Freie Querschnittsfläche zwischen Schwebekörper und Messrohr, an der Position des Schwebekörpers [m²].
CW: Widerstandsbeiwert des Schwebekörpers (abhängig von Form und Oberflächenbeschaffenheit) [dimensionslos]
A: Querschnittsfläche des Schwebekörpers (Projektionsfläche=größter Durchmesser) [m²]

In einem gegebenen Schwebekörper-Durchflussmesser, bleiben bei Änderung des Durchflusses die Dichte des Schwebekörpers, die Abmessungen und Volumen des Schwebekörpers, die Dichte des Mediums und die Erdbeschleunigung konstant.
Bei Änderung des Durchfluss ändert sich somit nur der Widerstandsbeiwert und die freie Querschnittsfläche zwischen Schwebekörper und Messrohr (entsprechend der Hubhöhe des Schwebekörpers).
Da diese Abhängigkeit nicht, oder nur aufwändig, rein rechnerisch ermittelt werden kann, muss sie durch eine Kalibrierung empirisch ermittelt.

Einflussgrößen auf die Berechnung

  • Dichte des Mediums
  • Viskosität
  • Geometrie des Schwebekörpers
  • Einbaulage und Durchmesser des Messrohres

Praktische Berechnung eines Schwebekörper Durchflussmessers

Damit ein konisches Rohr mit einem Schwebekörper als Durchflussmessgerät verwendet werden kann, muss das Gerät zunächst kalibriert werden.
Die Kalibrierung erfolgt üblicherweise auf einem Prüfstand durch Vergleichsmessung mit anderen, genaueren Messgeräten; alternativ durch auswiegen oder auslitern der pro Zeiteinheit durchgeflossenen Menge an Fluid.

Die für verschiedene Höhen des Schwebekörperstandes ermittelten Durchflusswerte (Skala) gilt nur für das bei der Kalibrierung verwendete Fluid bei den dabei vorhandenen Betriebsbedingungen.
Sollen die Geräte für andere Fluide (mit andere Dichte und Viskosität) oder andere Betriebsbedingungen (Druck und Temperatur) eingesetzt werden, so muss eine neue Kalibrierung erfolgen.

Die Untersuchungen von G. Ruppel und K.-J. Umpfenbach haben gezeigt, dass es auch möglich ist eine vorhandene Skala auf andere Fluide und/oder Betriebsbedingungen umzurechnen.
Auf dieser Basis haben die verschiedenen Hersteller Berechnungsroutinen ermittelt, die dann in der VDI 3513 Blatt 1 vereinheitlicht wurden.

Berechnung einer Skala für Schwebekörper Durchflussmesser

Zur Berechnung des Volumendurchflusses wird in der Praxis die nachfolgende, aus dem Kräftegleichgewicht abgeleitete Formel verwendet.

Bild Formel Schwebekörper Durchflussmesser

Verwendet man bei der Berechnung statt der DIN-Einheiten die nachfolgend genannten, in der Praxis üblichen Einheiten, dann muss in die Formel noch der Korrekturfaktor (C) eingefügt werden.
Dieser enthält zur Vereinfachung der Formel neben der Einheitenkorrektur noch den konstanten Wert aus √g.

Bild Formel Schwebekörper Durchflussmesser mit Faktor
qv = Durchflussvolumen [l/h]
α= Durchflusszahl, abhängig von der Geometrie des Schwebekörpers, dem Messrohr,
den Messstoffeigenschaften und den Strömungsbedingungen (laminar/turbulent).
Wird auch als Kalibrierfaktor bezeichnet.
C = Korrekturfaktor [11,27]
Ds = Durchmesser des Schwebekörpers an der Ablesekante (max. Durchmesser Schwebekörper) [mm]
ρ= Dichte des Messtoffes [g/cm3]

g = Fallbeschleunigung [9,81 m/s]
Ms = Masse des Schwebekörpers [g]
ρs = Dichte des Schwebekörpers [g/cm3]

Ruppel-Zahl

Die Ruppel-Zahl ist eine dimensionslose Kennzahl, die von der Reynoldszahl abgeleitet ist. Bei einen Schwebekörper-Durchflussmesser, der für einen bestimmten Messstoff kalibriert ist, ist die Ruppel-Zahl unabhängig von der Höhenstellung des Schwebekörpers.
Sie ist abhängig von der Dichte und Masse des Schwebekörpers und der Viskosität und Dichte des Messstoffes.

Bild Formel Ruppel-Zahl
η = dynamische Viskosität des Messstoffes [mPa s]
g = Erdbeschleunigung [9,81 m/s]
Ms = Masse des Schwebekörpers [g]
ρ = Dichte des Messstoffes [g/cm3]
ρs= Dichte des Schwebekörpers [g/cm3]

Kennlinie oder Tabelle

Hersteller ermitteln durch Versuche für jede Kombination aus Messrohr und Schwebekörper sowie für verschiedene Messstoffe, wie die Ruppel-Zahl (Ru) von der Durchflusskennzahl (α) bei unterschiedlichen Durchmesserverhältnissen (δ) abhängt.
Die Ergebnisse werden in Kennlinienblättern oder Tabellen dokumentiert.
Einige Hersteller liefern diese Kennlinien oder Tabellen direkt mit dem Durchflussmesser aus. Damit können Kunden die für die Berechnung einer neuen Skala notwendigen α-Werte ablesen, passend zur berechneten Ruppel-Zahl und bei verschiedenen Durchmesserverhältnissen (δ).
Der Ringspalt zwischen Schwebekörper und Messkonus ist entscheidend für den Durchfluss:
Je höher der Schwebekörper steigt, desto größer wird der Ringspalt.
Das Durchmesserverhältnis δ wird als dimensionslose Zahl aus dem Höhenstand des Schwebekörpers berechnet und im Kennlinienblatt dargestellt:

Bild Formel Durchmesserverhältnis
d= Durchmesser Innendurchmesser Messkonus [mm]
D= Durchmesser Schwebekörper [mm]

Das Durchmesserverhältnis wird vom Hersteller einer mm-Skala, einer %-Skala oder einer bestehenden Skala zugeordnet. Manche Hersteller verwenden statt des Durchmesserverhältnis, das Öffnungsverhältnis (δ-1) als Maß für den Stand des Schwebekörpers.
Bild Kennlinienblatt

Beispiel zur Umrechnung einer Skala

Schwebekörper / Messstoff Eingabe

Daten Schwebekörper
mm
g
g/cm³
Daten Messstoff 1
°C
bar abs.
g/cm³
mPa·s
Ru * 1000
Daten Messstoff 2
°C
bar abs.
g/cm³
mPa·s
Ru * 1000

Berechnung Qv zu den abgelesenen α-Werten

Die Berechnungen erfolgen mit Beispielwerten.
Anpassung an ihren Schwebekörper Durchflussmesser.
Alle Werte für den Schwebekörper, Messstoff 1 und Messstoff 2 können Sie durch ihre Werte ersetzen und die dazugehörigen Ruppel-Zahlen (Ru) errechenen lassen.
Mit den Ruppel-Zahlen können sie aus ihrem Kennlinienblatt die jeweiligen α-Werte ermitteln.
Nach Eintragen der α-Werte in die Tabelle, werden damit ihre Durchflusswerte [l/h] für die verschiedenen Schwebekörperpositionen errrechnet.
Als Bezug zu den errechneten Durchflusswerte ist das Durchmesserverhältnis (δ) nach DIN aus der Kennlinienkurve vorgesehen.
Sie können als Bezug auch eventuell andere vom Hersteller angegebene Werte für die Höhe des Schwebekörperstandes eintragen. Bsp.: [mm], [%], [m-Wert], [l/h alte Skala]

Bezug
α1
l/h
α2
l/h

Moderne Berechnungsverfahren zur Skalenerstellung

Mit modernen numerischen Berechnungsverfahren lassen sich heute Skalen für Schwebekörper-Durchflussmesser vollständig rechnerisch bestimmen. Die Skalenerstellung erfolgt dabei auf Basis der Geometrie des Durchflussmessers sowie der stoffspezifischen Eigenschaften des Messmediums – ganz ohne aufwendige experimentelle Kalibrierungen.
Zum Einsatz kommt die Fluid-Struktur-Interaktionsanalyse (FSI).
Diese Methode beschreibt das gekoppelte physikalische Zusammenspiel zwischen dem Fluid (z. B. Wasser oder Luft) und der Struktur des Messsystems, bestehend aus Messrohr und Schwebekörper. Auf diese Weise kann das reale Betriebsverhalten des Durchflussmessers sehr präzise simuliert werden.
Erste Berechnungen und Grundlagenarbeiten auf diesem Gebiet wurden von Dr.-Ing. T. Chatzikonstantinou durchgeführt.
Ein Nachteil dieser Methode ist der hohe Rechenaufwand, da leistungsstarke Computersysteme erforderlich sind, um die komplexen Simulationen effizient durchführen zu können.

Bild FSI Berechnung

Vereinfachte Umrechnung einer Skala

Die Skala der Schwebekörper Durchflussmesser sind werksseitig ausgelegt für ein bestimmtes Fluid mit seinen Stoffeigenschaften (Dichte, Viskosität) und die Betriebsbedingungen (Druck, Temperatur) bei der das Gerät verwendet wird.

Die meisten Hersteller stellen dazu eine Auslegungs-Software zur Verfügung, mit denen das optimale Gerät für die Messaufgabe spezifiziert werden kann.

Beispiel Auslegungssoftware: http://sizing.heinrichs.eu/programs/schwebekoerper/de

Die häufigste Aufgabe für den Anwender besteht darin, bei veränderten Betriebsbedingungen oder bei Verwendung eines anderen Fluid, die vorhandene Skala den neuen Bedingungen anzupassen. Dabei haben Änderungen der Stoffeigenschaften und Betriebsbedingungen bei Gasen oder Flüssigkeiten unterschiedlichen Einfluss.

  • Gase-Umrechnung Skala:
    Gase sind kompressibel, dh. sie verändern ihr Volumen und somit die Dichte bei Änderung der Druck- und Temperaturverhältnisse.
    Wegen der geringen Gasdichte und geringen Viskosität hat eine Änderung der Dichte und Viskosität bei unterschiedlichen Gasen meist wenig Einfluss auf die Messung.
  • Flüssigkeiten-Umrechnung Skala:
    Flüssigkeiten sind normalerweis nicht-kompressibel, dh. sie verändern ihr Volumen und somit ihre Dichte bei Druck und Temperaturänderungen nicht oder nur wenig.
    Eine Änderung von Druck und Temperatur muss bei gleicher Flüssigkeit, somit normalerweise nicht berücksichtigt werden. Großen Einfluss auf die Messung haben jedoch andere Viskositäts- oder Dichtewerte bei unterschiedlichen Flüssigkeiten. Eventuell ist auch durch eine Temperaturänderung verursachte Viskositätsänderung der Flüssigkeit zu berücksichtigen.
Mit den nachfolgenden Faustformeln kann ein Faktor errechnet werden, mit dem eine vorhandenen Messskala auf neue Betriebsbedingungen bzw. Stoffeigenschaften umgerechnet werden kann.
  • Faktorberechnung für Gase: Kalibrierte Skala in Normvolumen (z.B. Nm³/h)

    Neue Skalenwerte = Faktor x kalibrierte Skalenwerte schwebekörper Umrechnung Normbedingungen.png
    pkal = Absolutdruck der kalibrierten Skala, pneu = Absolutdruck der neuen Skala, Tkal = Temperatur der kalibrierten Skala in Kelvin,
    Tneu= Temperatur der neuen Skala in Kelvin, dkal = Dichte des Gases der kalibrierten Skala, dneu = Dichte des neuen Gases
    Kelvin = 273 + °C
  • Faktorberechnung für Gase: Kalibrierte Skala in Betriebsvolumen (z.B. m³/h)

    Neue Skalenwerte = Faktor x kalibrierte Skalenwerte schwebekörper Umrechnung Betriebsbedingungen.png
    pkal = Absolutdruck der kalibrierten Skala, pneu = Absolutdruck der neuen Skala, Tkal = Temperatur der kalibrierten Skala in Kelvin,
    Tneu = Temperatur der neuen Skala in Kelvin, dkal = Dichte des Gases der kalibrierten Skala, dneu = Dichte des neuen Gases
    Kelvin = 273 + °C

Beispiel für eine Nm³/h Luft Skala, kalibriert bei 2 barabs.. Neuer Betriebsdruck 8 barabs.

beispiel umrechnung skala.png

Hinweis zur Autorenschaft
Alle auf schwebekoerper.de veröffentlichten Fachartikel wurden von Harald Peters persönlich erstellt oder fachlich geprüft.
Autor dieses Artikels:
Harald Peters – Fachautor für Durchflussmesstechnik.
Letzte Aktualisierung der Seite: 2026